Brinkmann-Elf lässt beim 1:10 gegen Schönebecker SC ihre Ligatauglichkeit vermissen.
Eine weitere schwarze Stunde erlebten die Fußballer des FSV Nienburg gegen den Landesligisten Schönebecker SC. Die Mannschaft von Trainer Torsten Brinkmann verlor am Samstag gleich mit 1:10 (0:5). Während der SSC nach Aussage von Trainer Christian Kehr endlich die Früchte für die seit Wochen starken Trainingsleistungen erntete, fand Brinkmann nur schwer die richtigen Worte für diese Demütigung. "Das war absolut nicht landesklassetauglich", sagte er noch sichtlich unter Schock. "Jetzt müssen wir das Ding gegen Thale ziehen."
So traurig und demoralisierend diese Nienburger Niederlage auch war, es gab einige bemerkenswerte Premieren. Zum Beispiel durfte sich FSV-Keeper Christian Zellmer in den ersten 20 Minuten nur als Angler auszeichnen. Da nämlich die ersten vier Chancen alle drin waren, holte er die Bälle stets nur aus dem Netz. Erzielt wurden die zehn Treffer derweil von sieben unterschiedlichen Spielern auf SSC-Seite. "Das zeigt wie ausgeglichen wir besetzt sind", sagte Kehr, der sich etwas über die Konsequenz seiner Schützlinge vor dem Tor wunderte. Schließlich ließen die Schönebecker in den vergangenen Spielen viel zu viele Möglichkeiten liegen.
Das 10:1 stellte nur eine Woche nach dem Mechauer Schützenfest dann noch einen neuen Torerekord in der Landesliga Nord auf. Während Kehr in seiner noch jungen Trainerkarriere noch nie so deutlich gewann, musste sein Gegenüber Brinkmann als Übungsleiter bisher keine zweistellige Klatsche verkraften. Natürlich werde man jetzt die Fehler auswerten, sagte Brinkmann. "Wir werden auch wieder etwas mehr Gas im Training geben." Er wolle allerdings nicht draufhauen, vielmehr "muss ich das Team jetzt motiveren".
Eine weitere Premiere wird es gegen Thale geben: Vor der Saison hatte Brinkmann seinen Einsatz als Spieler noch ausgeschlossen. Mittlerweile ist es sehr wahrscheinlich, dass er am kommenden Wochenende aufläuft. Seine Sperre läuft jedenfalls an diesem Dienstag ab. "Das hat in erste Linie personelle Gründe", sagt er mit Blick auf die Akteure, die aufgrund ihrer fünften Gelben das letzte Hinrundenspiel nur von der Bank aus verfolgen können.
Die wichtigsten Dinge der Begegnung sind eigentlich schnell erzählt. Dass die Schönebecker in allen Belangen einfach nur überlegen waren, wäre untertrieben. Ein Beispiel: Marcus Bolze steht nun im Geschichtsbuch der Landesliga als der Spieler, der zum ersten und vielleicht auch einzigen Mal in dieser Saison die 10 vollgemacht hat. Er traf zum Abschluss zum 10:1 (82.). Was davor aber geschah, war das aus Nienburger Sicht wirklich grausame. Enrico Klüter, der Torschütze zum 9:0 (76.), spazierte nämlich von der Mittellinie los, diagonal durch die FSV-Hälfte. Unbedrängt flankte er auf Bolze, der ebenso unbedrängt einschob. (Absatz) "Der SSC hat uns immer wieder mit seinem Flügelspiel geknackt", hatte auch Brinkmann beobachtet. Und da die Zweikampfgestaltung der Nienburger bestenfalls mangelhaft war, erfreute sich Bolze beim seinem Treffer mindestens ebenso großer Freiräume wie Kapitän Stephan Schulz (2:0, 7.), Kevin Lindner (3:0, 18.), Rolf Schulze (7:0, 59.) und Johannes Schliemann (8:0, 64.). Jeweils doppelt trafen Christoph Irmscher zum 4:0 (20.) und 5:0 (38.) sowie Danny Rothe, der den Torreigen bereits mit der ersten offensiven Szene mit dem 1:0 (1.) eröffnete. "Da wird es natürlich doppelt schwer", kommentierte Brinkmann den frühen Rückstand, den seine Schützlinge mit ein, zwei Angriffen zu kontern versuchten. Doch anders als der SSC blieben die Nienburger im Abschluss schwach. Beim zwischenzeitlichen 6:0 (57.) von Rothe fragte der Schönebecker Stadionsprecher übrigens, ob denn schon Weihnachten sei. Die Bescherung hatten sich die Nienburger sicherlich etwas anders vorgestellt. Den Ehrentreffer erzielte Tobias Donath zum 9:1 (78.), der für Jan Thiele bereits nach 25 Minuten eingewechselt wurde. Das Zeichen, das Trainer Brinkmann damit setzen wollte, verpfuffte jedoch genauso schnell wie die übrigen Angriffsbemühungen.
Schönebecker SC: Breitmeier - Degraf (60. Oelschläger), Irmscher, Rothe (60. Brehmer), Klüter, Lindner, Bolze (V), Braunert (J. Schliemann), Schulze, Schulz, Buchholz
FSV Nienburg: Zellmer - Weilbeer (V), Thiele (25. Donath), Beck (V), Burchardt, Trensinger, Martens (76. Müller), Pohl, Rühlicke, Goldhorn (48. Brösel), Pülicher (V)
Tore: 1:0, 6:0 Danny Rothe (1., 57.), 2:0 Stephan Schulz (7.), 3:0 Kevin Lindner (18.), 4:0, 5:0 Christoph Irmscher (20., 38.), 7:0 Rolf Schulze (59.), 8:0 Johannes Schliemann (64.), 9:0 Enrico Klüter (76.), 9:1 Tobias Donath (78.), 10:1 Marcus Bolze (82.);
SR: Dirk Wiesener; ZS: 73

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